Dienstag, 20. September 2011

Eine ganz besondere Auszeichnung

Dienstag. Endlich ist es mal soweit. Seitdem ich hier auf Schiff bin habe ich mal davon geträumt, so eine Auszeichnung zu bekommen. Aber bis jetzt sollte es einfach nicht passieren. Ich durfte es nur neidisch an anderen Kabinentüren sehen. Die Auszeichung! Einmal die Woche werden zufällig ausgewählte Kabinen auf Ordnung, Sauberkeit und Hygiene geprüft. Da man nicht weiß, wann sie bei einen unangemeldet auftauchen, sollte man immer darauf achten, die Betten gemacht, Geschirr vom Speisesaal und den Wäschekorb von der Wäscherei zurückgebracht zu haben. Natürlich sollte das Bad auch gepflegt sein und Kleidung nicht wild auf dem Boden rumliegen. Bis jetzt war es immer so, dass entweder einer das Bett nicht gemacht oder den Korb z.B. zurückgebracht hat. Ich mache immer mein Bett. Schon aus Respekt zu der, die unter mir schläft. Sie macht auch immer ihr Bett. Und es ist einfach schöner, wenn die Betten gemacht sind und man nicht generell im Chaos leben muss, der noch nichteinmal von einem selber produziert worden ist. Heute morgen hatte ich aber fast keine Lust, mein Bett zu machen. Wir kriegen sowieso keine Auszeichnung, sollte heute jemand vorbeikommen und meine Freundin schläft auch noch, da wecke ich sie nicht unnötig. Aber irgendwie konnte ich nicht. Es ist 15.30 Uhr. Ein erfolgreicher Arbeitstag liegt hinter mir und was sehe ich an meiner Tür? Ein weißer Zettel auf dem angkreuzt wird, wo man sich noch verbessern kann, ob man bestanden hat oder ob sie nocheinmal vorbeikommen müssen. Bis jetzt mussten sie nie in meine Kabine zurückkehren, so schlimm war es dann doch nicht, aber wie gesagt, dass sie als "sauberste" Kabine des Tages gewählt worden war ist bis dahin noch nie vorgekommen. Ich schaue mir den weißen Zettel an. Nur ein Häkchen. "Sie haben die Durchsicht bestanden. Vielen Dank für euer Beitrag das Schiff sauber zu halten". Na toll.... Es gab nichts zum Ausssetzen und trotzdem keine Auszeichung und ein 1 USD Gutschein für den Ship-Shop?! Grrr..... Aber sieh da. Als ich das nächste Mal auf meine Tür schaute, hing sie da. Ich war stolz wie Oskar! Ich konnte es kaum fassen. Die AUSZEICHUNG!!! Und so sieht das dann aus:


Montag, 29. August 2011

Neue Herausforderungen

Montag. Mein erster Arbeitstag nach nun fast 5 Wochen! Wie die Zeit vergeht. Ich freue mich schon meine Mitarbeiter wiederzusehen und auch die "Neuen" kennenzulernen. Fast die Hälfte kenne ich nicht. Dazu kommt, dass unsere Koordinatorin jetzt in den Urlaub geht und ich ihrer Assistenz, der jetzt leiten muss, unter die Arme greife. Vieles habe ich vorher aber auch schon gemacht, nur noch nicht die Voruntersuchung, das "Screening" gemacht.
So heißt es nun gleich zum Arbeitsbeginn rein ins Auswählen, welche Patienten gesehen werden und welche nicht. Das System ist so. Sieh, der Assistent und ich gehen zuerst in die Mitte der Reihe in der sich Männer (später kommen die Frauen dran) aufgestellt haben. Dann gehen wir beide jeweils zu einem Ende und schauen uns die Gesichter auf Schwellungen an. Diese bekommen dann sofort ein "Ticket", um noch am gleichen Tag, also heute, gesehen zu werden. Sind wir an einem Ende angekommen, werden jetzt die Zähne angeschaut und die restlichen Tickets für den Tag und Tickets für Dienstag und Mittwoch vergeben. Hierbei muss entschieden werden, wer es am nötigsten hat. Alle, die sich angestellt haben müssen definitiv dem Zahnarzt ein Besuch abstatten, aber wir können nicht einmal die Hälfte der Menschen sehen, die sich Angestellt haben und deshalb wird ausgewählt. "So schwierig kann das ja nicht sein" habe ich mir gedacht. Falsch Gedacht. Alle Tickets, die ich zur Verfügung hatte waren schnell verbraucht, schneller als mir lieb war. Auch als sie mir ein kleines Mädchen zeigten und ich ihr ein Ticket gab kamen gleich alle anderen Eltern mit ihren Kindern, warum ich nicht ihre Kinder ansehe und dann regten sich die Frauen auch gleich auf, dass ich Tickets, die für sie bestimmt waren, weggebe. Und plötzlich hatte ich sie alle um mich herum. Ein Mädchen vom Schiff, die als "Personenschutz" und ein Security-Guard von einer Firma mussten das Chaos dann ersteinmal beseitigen. Viel dazugelernt habe ich heute. Donnerstag werde ich dann schon ein bisschen schlauer an die ganze Sache rangehen. Bin mal gespannt, wie es wird.

Donnerstag, 25. August 2011

Abflug oder nicht. Wetten werden entgegengenommen...

Mittwoch. Banjul, Gambia. Ja, immer noch das falsche Land. Seit gestern hätte ich schon wieder in der Zahnklinik in Freetown, Sierra Leone arbeiten müssen. Stattdessen sitze ich hier am Pool und genieße die Sonne und den fabelhaften Service vom Hotel. Ersatzteile sind gestern angekommen, aber die Reparatur war noch nicht zufriedenstellend. Die Turbine vibriere noch zu sehr. Ein neues Reparaturstück muss her. Dieses wird heute um ca. 17 Uhr erst geliefert. Neue Abflugzeit: 23.40 Uhr. Der Bus holt uns um 22 Uhr ab. Na mal abwarten. Inzwischen glauben wir schon nicht mehr daran. Sie werden uns bestimmt in den regulären Flieger am Donnerstag reinstecken. Also, wieder rein in den Badeanzug und ab zum Pool. Krokodile sollen hier irgendwo sein, so hat uns das ein Mädchen erzählt. Mit ihr und ihrer Mutter und überhaupt noch anderen Fluggästen, was hat man denn sonst so zu tun, machen wir uns zum nahgelegenen Fluss auf. Das erste Mal, dass ich den Strand sehen.



In der Saison muss dies eine beliebte Hotelanlage sein. Und da war er auch schon. Das Krokodil. Kein Zaun, nur ein paar Steine trennten uns von ihm. Aber keine Angst, wurde uns versichert. Er esse nur Fisch. Na gut.




Meine Freundin hat heute Geburtstag. Für sie haben Freunde auf dem Schiff eine Feier vorbereitet, auf der sie nun nicht erscheinen kann. Und damit sie nicht so traurig ist, haben wir den Bäcker einfach gefragt, ob er einen Geburtstagskuchen für sie vorbereiten kann. Das haben sie dann auch gemacht. Mit Kerzen und Singen :)



Inzwischen ist es Zeit mal wieder in den Bus zu steigen. Das heißt ja noch nichts. Vertrauliche Quellen haben aber schon bestätigt, dass das Flugzeug flugfähig ist. Am Flughafen herrscht mittleres Chaos. Mit uns sollten noch andere Fluggäste fliegen, deren Maschine auch einen Zwischenfall in Guinea hatte. Es ist inzwischen schon 23.40 Uhr und noch immer müssen Passagiere ihr Gepäck aufgeben. Das wird eine lange Nacht. Um 1 Uhr machten wir uns dann auf die Landebahn. Es herrscht Stille. Das Flugzeug hebt ab. Die Geräusche sind definitv anders als sie noch vor dem Zwischenfall waren, aber die Maschine fliegt. Bis zur Ankunft eine Stunde später redete kaum einer, was nicht nur an der späten Stunde lag. Ein Ehepaar aus Sierra Leone, das von Mercy Ships engagiert ist, erwarte uns bereits. Was für ein Segen, denn hier ist es schwierig durchzublicken, was als nächstes zu tun ist. Sie bringen uns netterweise auch noch zu der sehr alten staatlichen Fähre, die uns dann auf die andere Seite bringt, um dann von Freunden in Land Rovern abgeholt zu werden. Inzwischen ist es 4 Uhr. Auf der Fähre werden wir noch gewarnt, niemanden unsere Gepäckstücke zum Tragen zu geben. Sie wollen uns nicht helfen, sie wollen sie stehlen :) Alles klar. Wir haben die ganze Nacht kein Auge zugemacht, jetzt nochmal alle Konzentration zusammennehmen und auf alle Gepäckstücke aufpassen. Irgendwie haben wir dann ohne Verluste alles in die Autos verstaut und sind zum Schiff gefahren. Es ist 5 Uhr, duschen und in mein eigenes Bett. Was für eine Reise... Keine Chance in 1,5 Stunden wieder aufzustehen, um zur Arbeit zu gehen. Und diesen Freitag ist auch noch frei. Schiffsfeiertag. Und anschliessend Wochenende. Ich kann mich nicht beklagen :)