Donnerstag, 24. Februar 2011

Von Ost nach West, von Süd nach Nord

Sonntag. Seit dem Mauerfall vor Jahren habe ich mir keine Gedanken mehr über Osten und Westen gemacht. Kann mich nur erinnern, als wir damals zur Grenze gefahren sind und ich dann über den weißen Grenzstreifen gehopst bin und gesagt habe: "Bin im Osten... Bin im Westen". Diesmal war es ein wenig anders. Wir haben mit dem Schiff die Nullmeridian Grenze überschippert. Yuhu! Sind jetzt also im Westen. Mal sehen, wie es da so aussieht :)
Donnerstag. 8:15 Uhr. Es ist soweit. Wir überqueren den Äquator. Sind also jetzt im Norden. Ich kann mich jetzt Shellback und nicht mehr Pollywog nennen.

Das geniale ist, auf dem ersten Foto kann man die schwarze Äquator- Linie, die man immer auf den Globusen sieht, erkennen.




Das war die Aussicht dann von meiner Kabine ein wenig später


Dienstag, 15. Februar 2011

Die Anwesendheitsliste

Montag. Heute geht es nun also weiter nach Sierra Leone. Ach, wie ich Kapstadt vermissen werde. Um 15.00h sollten wir alle wieder auf dem Schiff erscheinen. Kurz vor vier Uhr ertönte dann auch schon der Notalarm. Das machen wir immer, bevor es losgeht. Jeder ist einem Rettungsboot und einer "Musterstation" zugeteilt. Wenn also was mit dem Schiff passiert, rennt nicht jeder kreischend durch die Gegend und versucht sich in ein Rettungsboot zu schwingen, sondern geht ruhig zu der ihm zugeteilten Musterstation. Zwei Personen, die einen gelbes Cap tragen rufen dann die Namen auf und stellen sicher, dass jeder seine Rettungsweste richtig anhat und sich nicht über die Reeling beugt. Die letzten zwei Jahre durfte ich es genießen, einfach nur anwesend zu sein und dann mein Buch zu lesen, wenn die Übung sich in die Länge zog. Damit ist es nun vorbei. Ach, fühlt sich fast wie Erwachsenwerden an...grrr... (Scherz). Fühle mich also nun geehrt, als Assistentin zur Namens Aufruferin (mir fällt kein besserer dt. Begriff dafür ein, wer ein weiß, kann sich bei mir melden. Name Caller ist die englische Bezeichnung) auserwählt worden zu sein.



Jemand hat sich also gedacht, dass ich hilfreich beim Schäfchen zählen und zum Boot führen bin. Und da sich jeder bei seiner Station melden muss, können wir so rausfinden, dass auch wirklich jeder an Bord ist, der an Bord sein sollte und gleichzeitig üben unsere Notfall Teams ihren Einsatz.
Wie sieht nun mein Job genau aus? Beim ersten Alarm mach ich mich auf den Weg zu meiner Station, schnappe mir auf dem Weg noch ´ne Rettungsweste und setze mir ein gelbes Cap auf. Meine Kollegin holt die Liste aus einem Kasten. Zum zweiten Alarm (Crew alarm) erscheinen dann unsere Schäfchen :) Wir rufen ihre Namen auf und sie müssen sich melden. Nicht immer erscheinen alle und die Namen werden markiert. Die Namen aufrufen macht meine Kollegin. Zum Glück, manche Nachnamen sind nicht leicht auszusprechen :)


Ich geh dann mit dieser Liste zur Brücke. Die Zentrale. Dort werden auf einer anderen Liste alle Namen vermerkt, die bei mir nicht aufgetaucht sind. Muss sagen, dass ich beim ersten Mal ziemlich nervös war, weil ich nicht wusste, was ich sagen muss usw. Aber es hat ganz gut geklappt. Die Brücke geht dann die Namen der Fehlenden durch und sieht nach, ob der jenige z.B. vielleicht im Maschinenraum arbeitet und eine "Befreiung" zur Feuerübung hat. Mach mich dann wieder auf den Weg zu meiner Musterstation. Ist inzwischen jemand aufgetaucht, sag ich einfach bei der Brücke Bescheid. Und dann heißt es warten. Stellt sich raus, dass immer noch Menschen fehlen, werden sie per Lautsprecherübertragung ausgerufen. Es gibt wirklich Leute, die die Signale überhören. Mir total unverständlich. Und das war es dann eigentlich auch schon. Im Notfall müssten wir natürlich unsere 25-30 große Gruppe zum Rettungsboot begleiten.



Na, wer hat`s gesehen? Im Hintergrund kann man den Table Mountain sehen. Und ich muss noch anmerken, dass diese Fotos gestellt sind und nicht einer wirklichen Übung entsprechen. Wir hatten einfach zu viel Spaß.

Samstag, 29. Januar 2011

Umzug ins traute Heim... äh Kajütchen

Samstag. Es ist nun endlich soweit. Kann es kaum glauben, wenn ich nicht wirklich dran teilnehmen würde. Wir ziehen aus Appelsbosch aus und bringen alles auf`s Schiff.



Meine Gefühle spielen verückt. In Appelsbosch habe ich nun gute Freunde gewonnen, mich an das nebelige Wetter gewöhnt und es genossen in einem großen Zimmer alleine zu wohnen. Auf dem Schiff hingegen erwartet mich wieder die 4-er Kabine, heiße stickige Luft, da die Klimaanlage nicht funktioniert und wieder Hafengelände statt grüne Bäume um mich herum zu haben. Vielleicht ist es auch einfach nur die Angst ein Abschnitt hinter sich zu lassen und einen neuen zu beginnen. Morgens gleich nach dem Frühstück ging es dann los. Jeder brachte seine Sachen zu einem großen Lastwagen und wer schnell fertig war half dann noch den Familien unter die Arme.



Wir 120 Leute wurden dann in 2 großen Bussen zum Schiff gebracht. Hab mich wieder wie 10 Jahre alt gefühlt, auf dem Weg zu einer Klassenfahrt.



Und die restlichen Landrover wurden dann von verschiedenen Familien gefahren, die ihre Sachen in diesen Autos hatten. Der Plan war, dass der große Bus mit dem Lastwagen voranfährt, wir beim auspacken helfen können und dann die Familien in den Landrovern nach und nach eintrudeln und wir denen dann beim Auspacken helfen können. Naja, Theorie ist halt immer noch was anderes als Praxis. So kam es nun dazu, dass uns teilweise Landrover überholt haben und wir in den großen Busen so spät ankame, dass die Mannschaft vom Schiff bereits unseren Lastwagen ausgeräumt hat. Was für ein Service.
Während der Fahrt traf es mich dann. Ich war bereit, Appelsbosch hinter mich zu lassen und mich riesig auf das Schiff zu freuen. Der nächste Schlag kam dann gleich hinterher. Als wir das Schiff erreichten wurden meine Augen feucht. Ein paar Leute, die die ganze Zeit über auf dem Schiff gewohnt haben, haben Ballons und Fahnen aufgehangen und ein großes Schild gemalt. Ich war wieder zuhause bei meiner "Schiffsfamilie". Während ich das schreibe, trifft es mich wieder. Was für ein Gefühl, vermisst worden zu sein und willkommen geheißen zu werden.



Die Realität holte mich dann schnell wieder auf den Boden als ich mein Zimmer mit all den Krempel, den ich in Südafrika gesamelt habe, sah.



Aber ich muss sagen, es habe es geschafft alles zu verstauen :)

UND JETZT KOMMT DER HAMMER: DIE KLIMAANLAGE FUNKTIONIERTE!
Dank harter Arbeit von Dirk und seinem Team.