Sonntag, 2. Oktober 2011

Fragen und Antworten

Es ist mal an der Zeit, dass ich häufig gestellte Fragen hier öffentlich beantworte :) Sollte ich welche vergessen oder nicht zufriedenstellend beantworten, könnt ihr mir einfach schreiben...

1. Wielange bleibst du noch auf dem Schiff?
Das Schiff wird Mitte Dezember nach Ghana fahren, um dort für einige Wochen zu ruhen un dann im Januar nach Togo weiterzufahren. Ich werde am 20. Dezember das Schiff endgültig verlassen. Mein Flug geht von Accra nach London, wo ich einen Tag bei einem Freund verbringen werde, und dann weiter nach Berlin.

2. Was machst du, wenn du in Berlin bist?
Ersteinmal Weihnachten mit meiner Familie feiern, ein Cocktail trinken und leckere Pizza essen.

3. Willst du dann wieder als Zahnarzthelferin arbeiten?
Ich sehe keinen Grund es nicht mehr zu wollen. Ich liebe meinen Beruf und könnte mir keinen anderen Bereich vorstellen. Gerade jetzt nicht, wo ich soviel in den letzten Jahren hier auf dem Schiff dazugelernt habe.

4. Wie sieht es mit einem Job aus?
Als ich im Sommer in Berlin war, habe ich meine alten Arbeitgeber besucht, um einfach Hallo zu sagen und auch eine Bewerbung losgeschickt, obwohl ich erst ab Januar verfügbar bin. Mein Arbeitgeber von vor der Zeit auf dem Schiff hat mich gefragt, ob ich bei ihnen wieder anfangen möchte. Was für eine freudige Überraschung. Ich habe gleich zugesagt. Natürlich kann immer etwas dazwischen kommen, aber ich freue mich, sollte es klappen.

5. Wo wirst du wohnen?
Hoffentlich in Kreuzberg. Aber genaueres wird sich noch rausstellen. Kommt drauf an, ob sie mir die eine Wohnung in Kreuzberg streichen, Boden verlegen und meine Sachen in die Wohnung bringen können. (Das war ein Scherz!!!)

6. Wie kriegst du deine ganzen Sachen, die du auf dem Schiff hast wieder nach Berlin?
Bei meinem letzten Berlin Besuch habe ich schon eine Reisetasche mit Sachen mitgenommen, die ich nicht wieder hierher gebracht habe. Ausserdem habe ich bei meinem Flug von Accra nach Berlin 70 kg Freigepäck zum Aufgeben und an die 23kg als Handgepäck zur Verfügung! Ich weiß zwar nicht, wie ich das physisch bewältigen werde, aber darum mache ich mir dann Sorgen. Bis dahin habe ich noch viel Zeit im Fitness-Studio zu verbringen. Ausserdem noch was ganz Tolles. Wir haben ein deutschen Zahnarzt an Bord, der mit einem Koffer voll Füllungsmaterialien angereist kam. Diesen Koffer darf ich jetzt mit meinen Habseligkeiten füllen und er wird ihn dann nach Deutschland mitnehmen. Leider wohnt er aber in München, also muss ich dann nur noch sehen, wie er nach Berlin kommt :) Somit denke ich, dass ich mich nicht von zuvielen Sachen trennen muss und euch allen hölzerne Statuen mitbringen kann. (Das war auch ein Scherz. Ich habe eher an Einheitsgewändern gedacht...hahahaha...)

Ich hoffe, ihr seid jetzt schlauer als zuvor. Ach ja, eine beliebte Frage ist noch, ob ich jemand kennengelernt habe. Ja, und zwar um die 600, wenn nicht sogar noch viel mehr. Ich habe viele Freunde gefunden, die ich nicht mehr vergessen werde! Sie wohnen verstreut auf der Weltkugel, was das Wiedersehen schwierig, aber nicht unmöglich macht.

Mittwoch, 28. September 2011

Gut aufgepasst!

Donnerstag. Es ist spät. Regen. Was jetzt passiert wird schwierig sein später nachzuvollziehen, aber das Ergebnis ist am nächsten Morgen sichtbar. Ein LKW liegt im Seitengraben samt Anhänger und Kontainer. Mir verschlägt es die Sprache. Die Fahrerseite ist zerstört. Die Mauer auf die der LKW fiel ebenso. Das kann der Fahrer niemals überlebt haben. Selbst wenn das Fahrzeug langsam fuhr, so kann man als Fahrer gar nicht so schnell aus dem Sitz um schlimmeres verhindern. Wie ich später erfahren habe, war es auch so. Der Fahrer ist bei diesem Unfall umgekommen.





Dies ist aber nicht der erste oder einzige Vorfall. Vor einigen Monaten ist es sogar zweimal vorgekommen, dass ein LKW in die kleinen Hütten gleich neben die Straße gefahren ist. Soweit ich weiß, ist dort ausser Sachschaden nichts weiteres passiert.

Mittwoch. Eine Woche später. Die Sonne scheint. Die Bremsen eines LKW, wieder mit Anhänger und Kontainer, versagen. Die Straße ist schmall. Eine Mauer auf der einen Seite, kleine Wohnhütten auf der anderen. Der Fahrer entscheidet sich für die Mauer. Es ist die Mauer zu unserem Gelände mit der Zahnklinik und der Aussenstation für unsere Patienten. Auch hier erfahre ich später, dass der junge Beifahrer ums Leben gekommen ist. Am nächsten Tag ist, völlig unerwartet, der LKW bereits weggeschafft und Stacheldraht dort, wo einst die Mauer stand.





Das Ding ist einfach, dass wir diese Straße jeden Tag entlanglaufen. Auch der Hafen selber ist mit seinen ganzen Kontainer Verladungen gefährlicher geworden. Es versteht sich von selber, dass wir darauf achten, nicht unter Kontainer, die gerade verladen werden, laufen. Also, immer schön aufpassen!

Dienstag, 20. September 2011

Eine ganz besondere Auszeichnung

Dienstag. Endlich ist es mal soweit. Seitdem ich hier auf Schiff bin habe ich mal davon geträumt, so eine Auszeichnung zu bekommen. Aber bis jetzt sollte es einfach nicht passieren. Ich durfte es nur neidisch an anderen Kabinentüren sehen. Die Auszeichung! Einmal die Woche werden zufällig ausgewählte Kabinen auf Ordnung, Sauberkeit und Hygiene geprüft. Da man nicht weiß, wann sie bei einen unangemeldet auftauchen, sollte man immer darauf achten, die Betten gemacht, Geschirr vom Speisesaal und den Wäschekorb von der Wäscherei zurückgebracht zu haben. Natürlich sollte das Bad auch gepflegt sein und Kleidung nicht wild auf dem Boden rumliegen. Bis jetzt war es immer so, dass entweder einer das Bett nicht gemacht oder den Korb z.B. zurückgebracht hat. Ich mache immer mein Bett. Schon aus Respekt zu der, die unter mir schläft. Sie macht auch immer ihr Bett. Und es ist einfach schöner, wenn die Betten gemacht sind und man nicht generell im Chaos leben muss, der noch nichteinmal von einem selber produziert worden ist. Heute morgen hatte ich aber fast keine Lust, mein Bett zu machen. Wir kriegen sowieso keine Auszeichnung, sollte heute jemand vorbeikommen und meine Freundin schläft auch noch, da wecke ich sie nicht unnötig. Aber irgendwie konnte ich nicht. Es ist 15.30 Uhr. Ein erfolgreicher Arbeitstag liegt hinter mir und was sehe ich an meiner Tür? Ein weißer Zettel auf dem angkreuzt wird, wo man sich noch verbessern kann, ob man bestanden hat oder ob sie nocheinmal vorbeikommen müssen. Bis jetzt mussten sie nie in meine Kabine zurückkehren, so schlimm war es dann doch nicht, aber wie gesagt, dass sie als "sauberste" Kabine des Tages gewählt worden war ist bis dahin noch nie vorgekommen. Ich schaue mir den weißen Zettel an. Nur ein Häkchen. "Sie haben die Durchsicht bestanden. Vielen Dank für euer Beitrag das Schiff sauber zu halten". Na toll.... Es gab nichts zum Ausssetzen und trotzdem keine Auszeichung und ein 1 USD Gutschein für den Ship-Shop?! Grrr..... Aber sieh da. Als ich das nächste Mal auf meine Tür schaute, hing sie da. Ich war stolz wie Oskar! Ich konnte es kaum fassen. Die AUSZEICHUNG!!! Und so sieht das dann aus: