Montag, 8. Juni 2009

Valetta Film Festival

Ja, auch wir hier auf dem Schiff haben unsere eigene Oscar-Verleihung, das Valetta Film Festival. Jeder der wollte, konnte ein Kurzfilm drehen und den dann am Samstag präsentieren. Ich hätte nicht gedacht, dass ich so lachen werde. In einem Film habe ich auch mitgemacht. Naja, mitgemacht. Ich hatte keine Sprechrolle und war auch sonst eher nur passiv am Geschehen beteiligt. Aber oh, hab ganz vergessen was zu erwähnen. Aber später mehr dazu. Zurück zum Film Festival. Aber was wäre eine Oscar-Verleihung ohne umwerfende Garderobe. Richtig, denkt ihr euch jetzt, und dann: hmm... wer nimmt schon sein schönstes Abendkleid nach Afrika auf einem Schiff mit? Gute Frage. Keine Ahnung. Ich habe zumindest keins dabei. Aber eine schwarze Hose mit schönen schwarzen Schuhen (die wir für offizielle Auftritte mitbringen sollten) und das neue afrikanische Oberteil machen es auch. Das ganze Aufstylen usw. war echt aufregend. Ich liebe es, wenn alle sich schick machen. Da kommen wirklich Schmetterlinge zum Vorschein. Versteht mich jetzt nicht falsch. Es geht mir nicht darum, dass sich jeder Schminke ins Gesicht klatscht usw, um dann alles Natürliche zu übermalen, sondern einfach mal eine schöne Hose anziehen und die Jogging-Hose im Schrank lassen.
Die Veranstalter haben sich echt Mühe gegeben, diesen Abend so glamourös und unterhaltsam wie möglich zu machen und das ist ihnen zur vollsten Zufriedenheit aller Anwesenden gelungen.


Barbara (ne liebe deutsche Freundin), Ich und Laura (aus meiner Gateway)
Letzten Mittwoch, Donnerstag und Freitag haben wir endlich unsere neuen Zahnarztstühle aufgebaut bekommen. Das war wie Weihnachten. Wir haben die ganze Klinik geputzt, Sachen sortiert und neu angeordnet. Ich war da absolut in meinem Element. Heute habe ich mich an die ganzen Bohrer gemacht und die so sortiert, wie wir sie jetzt brauchen. Ich sag´s euch. Wieviele verschiedenen Bohrer es gibt. Da wir das alles gespendet bekommen haben, natürlich nicht nur deswegen, ist das Media-Team bei uns vorbeigekommen und hat Fotos von den alten und neuen Geräten/Maschinen etc. gemacht. Aber da Fotos manchmal zum präsentieren nicht ausreichen, haben sie auch fleißig gedreht. Da am Donnerstag für uns als Team nicht so viel zu tun war, haben wir in 2 Schichten gearbeitet. In der Nachmittags-Schicht waren wir nur eine Zahnärztin, die Assistentin von der Team-Koordinatorin, eine andere Zahnarzthelferin und ich anwesend. Bevor aber die Team-Koordinatorin ging, bat sie mich, doch das Media-Team rumzuführen und ihnen zu zeigen, was nun neu ist und wo die alten Sachen sind. Kein Problem, dachte ich mir. Bis sie mich dann fragten, mit auf den Fotos zu sein. Ahhh! Nach einem super heißen Tag, Haare, die sich nach Wasser und Shampoo sehnen und überhaupt und sowieso. Aber hey! Mit ihrer tollen Kamera sieht bestimmt jeder gut aus. Einfach nett lächeln und das wird schon. Naja, bis sie dann mit ihrer Video-Kamera (sind das noch VIDEO-Kameras oder wie heißen die Dinger jetzt???) angerückt kam und wollte, dass ich sage, um was es sich hier handelt. Natürlich gerne doch. Auf Englisch? Kein Problem. (haha... hört ihr die Ironie raus?) Auf Deutsch wäre das nochmal anders gewesen, aber auf Englisch??? Da wurde ich so ziemlich aus allen Komfort-Zonen rausgeholt. Fühlte mich in meiner Haut nicht wohl, auf Englisch auch noch was erzählen und dann "Ein wenig mehr Enthusiasmus, bitte. Nein, du siehst nicht schlimm aus". Meine Laune war im Keller. Aber ich habe alles gegeben :) Mal sehen, was sie von dem Material überhaupt gebrauchen können und werden. Also, vielleicht wird das doch nochmal was mit Hollywood. Aber scharf darauf bin ich nicht.

Dienstag, 2. Juni 2009

Afrikanische Feier

Sonntag. Die Sonne scheint. Es ist warm. Es ist sogar richtig warm. Am liebsten würde ich in meiner schönen kalten Kabine bleiben und nichts tun. Aber ich habe meinen Freunden schon zugesagt, dass wir einen Mitarbeiter aus der Klinik besuchen werden. Er hat uns zu einer Feier eingeladen. Da ich authorisiert bin, ein Auto von Mercy Ships zu fahren und die anderen nicht, konnte ich sie nicht hängen lassen. Außerdem war ich auch gespannt, was das für eine Feier ist usw. Nach anfänglichen Motivationsproblemen konnte ich mich doch aufraffen, was nettes anzuziehen und mich darauf zu freuen. Pünktlich stand der Übersetzer vor der Tür, naja, vor der Gangway, ab ins Auto und 20 Minuten Fahrt zur Party. Die Feier fand vor dem Haus seiner Oma auf der unzementierten Straße statt. Sie haben ein Pavallion aufgebaut und ein DJ sorgte für Unterhaltung und Musik. Das Erste was mir aber auffiel, waren die vielen Frauen in den gleichen Kleidern mit ihren Stoffhüten. Es gab verschiedene "Gruppen" mit verschiedenen Kleidern. Nachdem wir alle möglichen Familienmitglieder begrüßt haben nahmen wir Platz. Und es war, unerwartet, kühl. Die Cousine brachte uns dann was zum Trinken. Fanta, Bier, Schnaps (oder so) und Malzbier. Als Autofahrer habe ich dann zum Malzbier gegriffen. Jetzt muss ich euch mal über meine "Trinkgewohnheit" erzählen. Damit meine ich jetzt nicht Alkohol, sondern Getränke im Allgemeinen. Wenn ich was zum Trinken habe, trinke ich es meist gleich aus und dann ist auch ersteinmal gut. Warum weiß ich gar nicht. Ich habe darüber ehrlich gesagt, noch nicht tiefer nachgedacht, es ist mir einfach vor einiger Zeit aufgefallen :) So, der Übersetzer saß nun neben mir und füllte fleißig mein Glas auf. Nach 2 Stunden habe ich dann fast 1,5 Liter Malzbier getrunken. Oh man... Zum Essen gab es dann Fisch und Reis. Ich habe von Beidem probiert. "WAAAAAAS? Du hast Fisch gegessen?" Ja, richtig gehört, `tschuldigung, gelesen. Das war mein 2. Fisch (Fischstäbchen zählen definitiv nicht!!!) soweit ich mich erinnern kann in meinem Leben. Und ich muss sagen, er hat mir geschmeckt. Glaube aber nicht, dass ich schon so weit bin, Fisch auf mein wöchentlichen Speiseplan zu setzen. Insgesamt war es also eine echt schöne Feier mit viel Musik und sehr netten Menschen.

Montag und Heute war ich mal nicht arbeiten. Aber nicht, weil ich keine Lust hatte :) , sondern weil alle die länger als 3 Monate auf dem Schiff arbeiten eine Mini-Schulung machen müssen. Es geht zum einen darum, mehr Informationen vom Schiff zu bekommen und zum anderen wie das Leben auf dem Schiff aussehen kann. Das Zusammentreffen von verschiedenen Kulturen, die neue Umgebung und auch evtl. Verständigungsschwierigkeiten usw. können zu Frustration führen. Und das möchte ja keiner. Der richtige Umgang bzw. das Bewusstwerden ist also gefragt. Der Unterricht war von 8 bis 12 Uhr und danach hatte ich frei. YUHU. Tat echt mal gut, 2 Nachmittage frei zu haben. Morgen geht es aber wieder ganz normal zur Arbeit. Naja, so "normal" wie es in Afrika auf einem Schiff ist.

Vorschau: am Samstag haben wir unsere eigene Oscar Verleihung. Jeder hatte die Möglichkeit einen kleinen Film zu drehen, der dann präsentiert wird. In einem mache ich auch mit. Ich bin eigentlich nur ein Komparse. Erhoffe mir also nicht den großen Durchbruch mit diesem Streifen :)

Samstag, 30. Mai 2009

Wechselbad der Gefühle

Donnerstag. Gemischte Gefühle machen sich breit. Ich weiß nicht, ob ich sauer bin oder ob ich es schon geahnt habe. Gehofft, dass ich falsch liege, habe ich aufjedenfall. Die ganzen verschwendeten Minuten, die ich damit verbracht habe, was ich anziehen werde, welche Frisur ich tragen werde, wieviel Make-up ist angebracht. Ach, Dramaqueen :) Ihr könnt euch bestimmt schon denken, um was es geht. Der Präsident hat uns abgesagt. Das Essen in seinem Palast (oder wo auch immer) wurde verschoben. Ein neuen Termin gibt es aber noch nicht. Bin echt mal gespannt, ob das noch in den nächsten 6 Monaten klappt. Aber ich muss zu seiner Verteidigung sagen, dass er unsere Arbeit hier wirklich unterstützt und als Präsident bestimmt sehr beschäftigt ist.
Jeden Donnerstag nach dem Community-Meeting gibt es Eis mit etwas dazu. Wir haben am Mittwoch fleißig 7-Layer-Bars gemacht. Das ist ein siebenschichtiger Riegel mit Kokosnuss, Walnuss, Kondensmilch, Butter, Cracker, Schokolade und Caramel. Nach dem Treffen verteilen immer verschiedene Abteilungen das Eis aus und jetzt waren wir dran. Wir hatten unsere Arbeitskleidung an und wollten eigentlich auch mit sterilisierten zahnmedizinischen Instrumenten das Dessert verteilen. Haben es aber doch nicht gemacht, weil nicht jeder den Anblick einer Zahnzange angenehm findet :) Mir hat das Verteilen aufjedenfall Spaß gemacht auch ohne Handschuhe, Mundschutz und Zahnzangen.

Unerwartet, überraschend, aber voller Freude habe ich am Freitag mein erstes afrikanisches Outfit bekommen! Und es passt! Der Stoff sieht klasse aus und auch der Schnitt gefällt mir auch. Werd mal sehen, dass ich bald ein Foto machen werde.
Und noch was neues. Wir haben angefangen die neuen Zahnarztstühle aufzubauen. Natürlich sind das keine High-Tech Zahnarztstühle, die man vielleicht von seinem Zahnarzt zuhause kennt, aber sie funktionieren aufjedenfall. Nächsten Mittwoch, Donnerstag und Freitag wird dann alles richtig aufgebaut. Ich freue mich schon total. Endlich funktionierende Sauger an allen Stühlen oder zumindest ein Schritt näher zu diesem Ziel...