Freitag, 22. Mai 2009

Laaaaaaaanges Wochenende

Freitag frei. Wie der Name schon sagt. Regelmässig hat das ganze Schiff ein langes Wochenende, was bedeutet, dass wir freitags zusätzlich frei bekommen. Dafür hatten wir gestern kein Feiertag, so wie in Deutschland oder hier in Benin.
Spontan habe ich mich dann entschlossen mit Freunden mitzugehen, die auf ein Haus aufpassen sollen. Hier sitze ich nun, vor einem Pool mit meinem Computer, surfe im Internet, hüpfe mal in den Pool oder döse in der Hängematte und genieße meinen freien Tag.



Dienstag hatten wir wieder ganz spezielle Operationen in unserer Zahnklinik. Ein Mann hat sich bei einem Unfall den Kiefer gebrochen und dadurch starke Schmerzen. Der Bruch war auf der Höhe der kleinen Backenzähne (Prämolaren), was das Einsetzen der Platten sehr schwierig machte. Zudem kam noch, dass der Sauger ab und zu nicht mehr funktionierte, weil unsere Generatoren schon fast auseinanderfallen (wir haben Neue bekommen, sie müssen nur noch angeschlossen werden). Nun ja, wenn der Sauger nicht funktioniert, dann ist es auch manchmal so, dass Blutreste aus dem Schlauch wieder rauslaufen. Da ich damit beschäftigt war, den Operationsbereich im Mund mit Tupfern von Blut zu befreien, währendessen floss ein wenig Blut aus dem Sauger direkt auf meine Arbeitskleidung. Durch das Oberteil und auch auf der Hose darunter hatte ich was. Was für ein Anblick. Es sah aus, als wäre ich beim Schlachter gewesen. Na gut, nicht ganz so schlimm ;) Zum Ende der Operation hin fing es auch noch zu regnen an und der Strom fiel ab und zu aus. An sich kein Problem, weil Dag eine Stirnlampe benutzt (genau für so einen Fall) und wir durch die Fenster noch ein wenig Licht bekamen, aber die Deckenventilatoren drehten sich nicht mehr und viel Abkühlung brachte der Regen auch nicht. Noch mehr schwitzen war jetzt angesagt. Nach 2,5 Stunden war auch der Patient völlig erschöpft und fing an zu weinen. Jetzt muss er nur noch für die nächsten Wochen mit verdrahteten Zähnen zurecht kommen, dann hat er es geschafft. Klingt jetzt ganz schön trocken. Wahrscheinlich weil dieser Patient mich wieder sehr mitgenommen hat und mir leid tat. Als er zu weinen anfing, hat er sich zur Seite gedreht und sich an meinem Arm festgehalten. Wem macht es da nicht das Herz weich?
Aber das ist hier Alltag. Donnerstag hatten wir nämlich gleich nochmal eine Platten-Op (Kieferbruch) und noch 2 andere (ein verknöcherter, im Kiefer liegender Prämolar und ein kleiner Tumor oder so etwas am Oberkiefer). Diesmal war der Knochenbruch weiter vorne und es war nicht so schwierig die Platten einzusetzen. Da habe ich auch zum ersten Mal das Loch gesehen, wo der Unterkiefernerv rauskommt. Echt interessant.

Samstag, 16. Mai 2009

Mein Team auf einem Landrover

Landrover hat Mercy Ships ein besonderen Deal vorgeschlagen. Wie der genau lautet, weiß ich nicht. Aufjedenfall wollte Landrover ein Bild haben auf dem man sehen kann, was wir so mit den Autos machen. Sozusagen ein Werbefoto. Das Beste wird dann veröffentlicht (oder so?!). Hier ist das von meinem zahnmedizinischen Team...








Montag, 4. Mai 2009

Ein herrenloses Fischerboot

Wo fange ich an? Die letzten Wochen waren echt stressig und es ist schon wieder so viel passiert. Dem Patienten, mit dem mitfühlenden Bruder geht es aufjedenfall schon viel besser. Er war inzwischen schon einige Male wieder da und er sieht schon viel besser aus. Gestern habe ich dann die Fäden entfernt, weil die Fistelausgänge schön verheilt sind. Wie er gestrahlt hat! Natürlich ist noch nicht alles verheilt und wie es aussieht müssen wir nocheinmal etwas an seinem Kieferknochen machen, aber das Gröbste hat er schon hinter sich. Gerade letzte Woche hatten wir wieder viele Fälle mit schweren Entzündungen und Fistelgängen. Als hätten sie sich alle verabredet, um gleichzeitig bei uns aufzutauchen. Nun bin ich schon 2 Monate hier und ich muss sagen, dass es immer noch interessant ist und ich meine Arbeit liebe. Anmerkung: ich wurde nicht gezwungen diesen Satz zu schreiben :)
Und was das schönste ist: unser Container ist angekommen! Wir haben neue Einheiten/ Zahnarztstühle, Sterilisatoren und Generatoren bekommen. Dauert wahrscheinlich noch ein wenig bis das alles angeschlossen ist, aber das ist ok. Ich freue mich trotzdem. Unsere alten Geräte sind fallen nämlich schon buchstäblich auseinander. Wenn alles angeschlossen ist mache ich eine Einweihungparty.

Letztes Wochenende hat es total geregnet und ich habe mir das ganze Spektakel auf dem Außendeck angeschaut. Die Blitze am Himmel sind einfach beeindruckend. Als ich dann spät abends ein Fischerboot an unserem vorbeischwimmen sehe. Ich dachte mir: "Wer geht den bei so einem Wetter fischen?" Viele Fischerboote, die hier bei uns vorbeischwimmen haben nämlich schon ein Leck, wenn sie aufs Meer hinausfahren. Es ist immer jemand dabei, das Wasser aus dem Boot zu schaufeln. Als ich dann genau hinschaute, sah ich, dass niemand in diesem Boot war! Hab mir Sorgen gemacht, weil ich weiß, dass das für einige hier ihre Existenz ist. Aber was kann man da machen? Ins Wasser springen und versuchen zurück zu paddeln? Wie erkläre ich dann, dass ich in diesem Boot sitze und es nur zurück geben möchte und nicht geklaut habe. Hab mich entschieden, die Situation weiter zu beobachten. Außerdem sind wir hier in so einer Bucht und das Fischerboot treibt vielleicht gar nicht aufs Meer hinaus, sondern nur an die Steinbegrenzung. Plötzlich tauchte das nächste Fischerboot auf. Diesmal mit jemandem an Bord. Der hatte aber keine Paddel und keinen Motor, weil der über Nacht weggeschlossen wird. Er muss auf dem Fischerboot eingeschlafen und zu spät aufgewacht sein. Was mache ich jetzt? Bis ich mich entscheiden konnte, habe ich gesehen, dass schon Angestellte vom Hafen Hilfe organisiert haben. Nach einer Weile wurde dann das herrenlose Boot und auch das andere Fischerboot eingesammelt und zur Anlegestelle gefahren. Es hörte sich auch so an, als hätte der Fischermann Ärger bekommen, sein Fischerboot nicht richtig festgemacht zu haben, aber ich muss dazu erwähnen, dass ich kein Wort verstanden habe und es somit nicht richtig weiß! Es hörte sich einfach nur so an. Da musste ich ein wenig schmunzeln. Der Fischermann wirkte nämlich wirklich ein wenig verplant.